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Was ist Stadtarchäologie?

Archäologie im allgemeinen beschäftigt sich mit den nichtschriftlichen Quellen der Geschichte der Menschheit. Das Untersuchungsgebiet reicht von ersten erkennbaren Werkzeugformen und Niederlassungen von Jägern und Sammlern bis hin zu stillgelegten Industriebauten unseres Jahrhunderts. Methodisch versucht der Archäologe, die im Boden befindlichen Spuren und Überreste vergangener Zeiten freizulegen, zu dokumentieren und zu deuten. Zur systematischen Erschließung archäologischer Quellen, der Funde und Befunde, bedient er sich folgender Methodik: Der "Stratigraphie" und "Typologie".

Der überweigende Teil archäologischer Quellen besteht aus Bodenbefunden . Das sind Erdschichten (genannt "Straten") und Füllungen, die in Folge menschlicher Siedlungs- und Bautätigkeit entstanden sind. Die oft vergänglichen Überreste sind oft nach Jahrtausenden zu erkennen. Einzelne Erdschichten zu unterscheiden ist oft nur durch systematisches Abtragen einzelner Schichten möglich. Dabei wird sichtbar, in welcher Abfolge,bzw. Chronologie, sich die Befunde überlagern.

Arbeiten unter sehr unwirtlichen und beengten Bedingungen: Grabung im Stadlershof im Winter 2000
Arbeiten unter sehr unwirtlichen und
beengten Bedingungen: Grabung im Stadlershof, Winter 2000
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Foto: A. Faisst
Die Stadtarchäologie ist aufgrund der räumlich engen Bedingungen (starke Innenstadtbebauung) sehr eingeschränkt, allerdings im Zentrum der historischen Ereignisse reichhaltiges Quellenmaterial erwarten läßt. Die Stadtarchäologie kann neue Aspekte der Stadtgeschichte aufdecken und erweitern. Oft sind schriftliche Quellen zur frühen Geschichte einer Stadt nicht vorhanden oder nur wenig aussagekräftig, so daß eine Ergänzung durch Funde und Befunde sehr erwünscht ist. Wichtig ist auf jeden Fall eine Enge Verbindung zwischen "klassischer" Geschichtswissenschaft und Stadtarchäologie, die manchmal zu wünschen übrig läßt.  

Scherbe eines reliefverzierten Kruges aus dem Töpferort Raeren bei Aachen mit "Anno 15..", aus einer um 1600 mit Brandschutt verfüllten Grubeoriginales Vergleichsstück
links:Scherbe eines reliefverzierten Kruges aus dem
Töpferort Raeren bei Aachen mit "Anno 15..", aus
einer um 1600 mit Brandschutt verfüllten Grube.
rechts: originales Vergleichsstück
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Foto: R. Röder

Wichtiger Schritt für die Chronologie und Datierung von Befunden ist es, wenn es gelingt, möglichts viele zu datierende Fundgegenstände zu bergen. Die am weitesten verbreitete Fundgattung ist dabei die Keramik. Gerade Keramikreste lassen sich wieder zusammensetzen und geben einen Überblick über zeitübliche Gefäßformen. Die Entwicklung der Gefäßtypen läßt sich an den Profilen von Gefäßrändern verfolgen, die in Form einer technischen Zeichnung rekonstruirt werden und als Grundlage für einen Vergleich mit den in Katalogen veröffentlichten Beispielen dienen.

Im Rahmen der Bodendenkmalpflege kann Archäologie nicht nur die Überreste von Handwerks- oder Gewerbezentren (z.B. Knochenschnitzer oder mittelalterliches Weben) wieder an Licht bringen, sondern mit Hilfe der Kartierung datierbarer Funde einen Beitrag zur frühen Besiedelungs- und Stadtgeschichte machen. Sie bildet auch die Grundlage für Schutzmaßnahmen in der Bodendenkmalpflege.

Jede archäologische Grabung bedeutet eine unwiederbringliche Zerstörung von Bodenbefunden. Nur durch professionel durchgeführte Grabungen, Dokumentationen, Auswertung und Inventarisierung können archäologische Quellen für weitere wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Jede durchgeführte Grabung ist daher mit einer großen Verantwortung verbunden.

Neben der Behandlung der Funde selbst ist auch wichtig festzuhalten, wie Sie im Boden aufgefunden wurden. Zu jeder archäologischen Grabung gehört auch ein Plan der Grabungsfläche und der darin angetroffenen Strukturen. Dazu kommen Arbeitsphotos von Grabungs- und Profilflächen. Wichtig ist auch das "Einhängen" des Grabungsplanes in die gültigen Flur- und Katasterkarten. und eine Eintragung der absoluten Höhenwerte ausgegrabener Strukturen über Normal Null (Nivelierplan). Über den Ablauf dieser Tätigkeiten wird ein Grabungstagebuch geführt und ein Grabungsbericht erstellt.


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